Ein Weinfest, das so schnell niemand vergisst

Was in anderen Regionen Deutschlands eine Besonderheit sein mag, ist bei uns die Regel. Weinfeste gibt es hier nicht nur einmal im Jahr. Sie stellen die schönste Seite des Ursprunges dar, welcher unsere Heimat ist. Eines dieser Weinfeste sticht bei uns aber meist besonders hervor. Wenn das erste Mal Federweißer ausgeschenkt wird, kommen auch die weniger Geselligen aus ihren Stuben heraus, suchen sich einen Hain und genießen diesen Wendepunkt des Jahres. Auf alles, was im Laufe der Zeit gut war, wird jetzt noch einmal angestoßen, bevor man sich auf die kalten Jahreszeiten einstellt.

An das letzte Jahr kann ich mich noch sehr genau erinnern. Bei uns waren Bekannte aus Brandenburg zu Gast, die unbedingt einmal mit dabei sein wollte, wenn der frühe Wein frisch ausgeschenkt wird. Zu diesem Zweck hatten wir zusätzlich eine Festzeltgarnitur in Brauereiqualität besorgt, die wir mit auf die Terrasse nahmen, wo wir unsere Feste feiern. Wir mieten nämlich extra eine Terrasse an, welche sich neben einer Apfelplantage befindet. Der Ort bietet den ursprünglichen Charme der Region und ist wichtiger Teil der Atmosphäre.

Wie auch immer… unsere Gäste waren sehr enthusiastisch dabei. Zwei von ihnen merkte man aber an, dass sie im Umgang mit dem Federweißer keine Erfahrung hatten. Sie waren wohl eher herbe Getränke gewohnt, bei denen man den Alkohol auch herausschmecken kann. Federweißer ist deswegen eben nicht ungefährlich. Die warmen Temperaturen animieren zum Trinken. Da kommt der kühle Weiße gerade recht, der seinen Geist erst mit Verzögerung preisgibt. Meine beiden Bekannten waren denn auch die ersten, welche anfingen zu singen.

Normalerweise fangen die Leute bei uns erst am Abend an, irgendwelche Lieder anzustimmen, wenn überhaupt… Arm in Arm trollten die beiden Brandenburger übers gesamte Gelände. Sie sangen irgendwelche Lieder, die keiner kannte, außer ihnen selbst. Ich denke, dass die meisten der hiesigen Einwohner die Sache lustig fanden, weil sie sie an ihre Jugend erinnerte. Die Brandenburger hatten ihre Jugend woanders verlebt und mussten entsprechend viel aufholen. Sie hatten jedenfalls ihren Spaß, bis zum nächsten Morgen…

Schreibe einen Kommentar